Plattdütsch

Jahresprogramm der Visbeker Warkstäe för Plattdütsch für 2014

Visbeker Warkstäe för Plattdütsch

Vielzahl von Generationen verbindenden Angeboten

Alt und Jung, Männer und Frauen sowie Familien mit Kindern möchte die Visbeker Warkstäe för Plattdütsch mit ihrem Jahresprogramm 2014, das der Plattdeutschbeauftragte der Gemeinde, Erwin Stubbe, jetzt vorgestellt hat, „einfangen“. Und weil Stubbe weiß, dass die plattdeutsche Sprache langfristig nicht allein mit Döntges, Holzschuhtanz und Liedern am Leben erhalten werden kann, verbinden etliche Angebote der Warkstäe Platt mit alltäglichen Situationen wie Tanzen, Fahrradflicken, Kochen, Erster Hilfe oder Basteln. Eingeladen sind stets Leute, die „platt schnacken käönt“, ebenso wie jene, die „‘n bittken platt schnacken käönt“ und solche, die „nich platt schnacken käönt, dat aower lern‘ willt“.
Vielversprechend ist die Warkstäe mit dem „Klönaobend up Platt“ ins neue Jahr gestartet, an dem im Gasthof Dieckhaus mehr als 20 Visbeker teilgenommen haben. Auch zum Kochabend für Männer aller Altersgruppen in der Lehrküche der Benedikt-Schule „Kerls kaokt up Platt(en)“ am 21. Februar gibt es schon viele Anmeldungen. Wenn die Gruppe zu groß wird, kann der Kursus gegebenenfalls geteilt werden. Die Rezepte, nach denen gekocht werden soll, sind alle auf Platt. „Das hat aber bisher niemanden vor Probleme gestellt“, weiß Stubbe. Im Gegenteil: Meistens hatten die Teilnehmer großen Spaß, und irgendjemand weiß immer Bescheid.
An vorerst zwei Abenden im März heißt es dann: „Darf ich bitten?“ Am 7. und 14. März findet jeweils ab 20 Uhr in der Tanzschule Sandmann in Vechta unter dem Motto „Kumm, danz mit mi“ ein plattdeutscher Auffrischungstanzkurs für Paare statt. Hierfür haben sich schon 14 Paar angemeldet, der Kursus findet auf jeden Fall statt. Die Auswahl der Tänze liegt schwerpunktmäßig auf Discofox.
Ein Generationen verbindender Bastelnachmittag „Wi schnitzt us ‘ne Flaitpiepen“ wird am Samstag, 10. Mai, in der Pausenhalle der Gerbertschule angeboten. Alle Grundschulkinder können in Begleitung von Müttern oder Vätern, Omas oder Opas, Onkeln oder Tanten Holzflöten basteln. Die Bastelanleitung dazu gibt es – natürlich – auf Platt. Stubbe hofft, dass bei dieser Gelegenheit Kinder feststellen, dass die ältere Generation untereinander platt spricht und diese auffordern, es mit ihnen auch zu tun: „Opa, du schnackst ja platt, warum nich mit mi?“
Vor allem an Schülerinnen und Schüler des 7. bis 9. Schuljahres richtet sich der Grundkurs „Eierste Hülpe up Platt“, der zugesagt ist, aber dessen Termin noch nicht genau feststeht. Dann, so Stubbe, sind die Jugendlichen in einem Alter, in dem sie für das Mofa und den Roller einen Grundkurs „Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Unfallort“ benötigen. Warum diesen Lehrgang nicht einmal auf Platt absolvieren? Alle Teilnehmer erhalten den notwendigen Nachweis bescheinigt.
Die Warkstäe regt an, die Maiandachten ebenfalls „up Platt“ zu halten. Wenn Hilfe für die Übersetzung gewünscht wird, kann man sich an den Plattdeutschbeauftragten wenden. Bitte rechtzeitig!
Für Juli ist ein „plattdütscher Familgendag“ rund ums Pfarrheim und im Dorfpark „Pastors Wisk“ geplant, der genaue Termin wird noch bekanntgegeben. Am 26. September, dem Internationalen Sprachentag, findet an der Gerbertschule das Projekt „Plattdütschdag“ statt. Daran können sich auch die anderen Grundschulen in der Gemeinde beteiligen, soweit das Kollegium plattdeutsch sprechen kann.
„Ick häbb ‘nen Platten! Wat schall ick nu maoken?“ heißt ein für den Herbst geplantes Angebot. Dort können Kinder das Fahrradflicken lernen. Der genaue Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben, ebenso wie der für den generationsverbindenden Bastelnachmittag „Drachenbau“, der wegen des großen Erfolges im vergangenen Jahr wiederholt werden soll.
Den Abschluss im Jahresprogramm bildet die Adventseinstimmung für Grundschulkinder. Daran beteiligen sich – über mehrere Tage verteilt – auch die Grundschulen Hagstedt und Rechterfeld. Auf das Backen wird in diesem Jahr voraussichtlich verzichtet. „Zu viele Leute, zu wenig Backöfen“, nennt Stubbe den Grund.
Nähere Informationen zu den einzelnen Angeboten gibt es beim Plattdeutschbeauftragten Erwin Stubbe (Telefon 04445/2844), der auch Anmeldungen entgegennimmt.

 

Erwin Stubbe ist erster Plattdeutschbeauftragter der Gemeinde Visbek

Alfred Kuhlmann, Thomas Freese, Erwin Stubbe, Bürgermeister Gerd Meyer und Manfred Gelhaus

Am Dienstag, den 20. März 2012 erhielt der neue Plattdeutschbeauftragte der Gemeinde Visbek, Erwin Stubbe, seine offizielle Urkunde als Plattdeutschbeauftragter und ein plattdeutsches Wörterbuch des Heimatbundes Oldenburger Münsterland ausgehändigt. An dieser Feierstunde nahmen Bürgermeister Gerd Meyer, Vorsitzender des gemeindlichen Kulturausschusses Thomas Freese, Heimatvereinvorsitzender Manfred Gelhaus und Hauptamtsleiter Alfred Kuhlmann teil. Der ehemalige Rektor der Gerbertschule Visbek ist damit der erste Plattdeutschbeauftragte der Gemeinde Visbek. Die Region im Oldenburger Münsterland ist reich an Geschichte und Kultur. Das wichtigste Kulturgut ist die uralte, plattdeutsche Sprache. Seit 1999 gilt Plattdeutsch als Sprache, nachdem sie in die Europäische Charta der Regional- und Minderheitssprachen aufgenommen wurde. Die Plattdeutschsprecher zeigen seither mehr Selbstbewusstsein: Schaut her, ich kann Platt! Erwin Stubbe bildet zunächst eine Steuerungsgruppe als Ideenschmiede und hat bisher nur Zusagen von potenziellen Mitwirkenden erhalten.

 
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Plattdütsch is ’ne eigenstännige Spraoke

In ’t Middelöller, vör mehr at 500 Johr, dor wör Plattdütsch dei Spraoke. Aale Kooplüe in Nordwesteuropa rund üm dei Ostsei tau dön plattdütsch schnacken. Man kann säggen, Plattdütsch wör tau dei Tied vanne Hanse (15. un 16. Johrhunnert) ’ne Weltspraoke.

In dei Johrn dornao hätt dei plattdütsche Spraoke aower dei ein’ off ännere Schramm’ affkrägen. Besünners Enne van ’t lessde Johrhunnert. Väle Öllern harn Angst, dat ehre Kinner inne Schaule nich mitkömen, wenn se nich Hochdütsch kunnen. Dei meisten Lüe schnackden dorüm blots noch hochdütsch – uck mit ehre Kinner.

Vandaoge sütt dat man änners ut. Wi sünd dor nu weller bie, use öllste Kulturgaut tau pflägen un ünner dei Lüe tau bringen. Dei Lüe wät’t, dat Platt ’ne eigene Spraoke un kien Dialekt is. Un wecker twei Spraoken – hochdütsch un plattdütsch – schnackt, kann eine Spraoke mehr!

Nich blots dei „Europäische Spraokencharta“ ut 1999 schmitt ’n Ooge up use Plattdütsch. Nä, in ’n Ollenborger Münsterland giff et siet fiew Johr dat „Plattdütsche Johr“, wor masse för use plattdütsche Spraoke maokt wedd. Uck dei Gemeinde Visbek staiht för dat Platt in. Dorüm kanns uck plattdütsche Texte uppe Internetsiete läsen. Kiek dor man eis in!

 
Alfred Kuhlmann
Alfred Kuhlmann

Dei Lüe schmiet’t nu äöwerall den Grill an

Fraulüe sorgt för dei Selaote / Naober nich tau daone inrökern

Is di inne lessden Daoge uck fäökener ’ne besünnere Räöke (= Geruch) inne Näsen trocken? , ick meen nich dei Gülle, dei vör ’e Lännereien jo so bannig wichtig is. Ick meen den Damp un dei Räöke vanne Grills, dei siet ’n 1. Mai woller äöwerall taugange sünd.Nu, wor sick dei Sünnaobends ’n Stoot länger seihn lätt, giff dat bolle kienein’ Dag mehr, wor nich mitte Familge, inne Naoberskup or in ’n Verein grillt wedd. Meistied staoht dei Kerlslüe mit ’ne lange Schötten un grote Handschken an ’n Grill un passt up, dat dei Wüsste un Nackensteaks nich anbrennen daut. Sei kiekt inne Glaut, drinkt dorbi ’n Beier un draiht dat Fleischk aal Oogenblick sinnig ümme. Dor kanns nich jederein bilaoten, dor moss all wat van kennen. Dei Fraulüe maokt leckere Selaote un backt dat Brot dortau. Hmmm! Dor löpp di all bi ’t Schrieben bolle dat Waoter in ’n Munne tauhoope.Ick will nu kienein’ Bange maoken, aower pass up, dor luurt wecktiens uck Gefohr! Nich jede Naober mag den Rook van ’n Grill in siene Bude lien. All faoken häbbt dei Affkaoten (= Rechtsanwälte) un Richter bi ’t Grillen dat lessde Wort hat. Uck wenn dat jüst bi us in ’n Ollenborger Münsterland nich aaltau faoken vörkaomen dait. Aower off du dat glöws or nich: In Bayern hätt eis ein Gericht fasseleggt, dat man blots in ’n ütersten Timpen van ’n Gorn, 25 Meter van ’t Mietshuus wäge, sien’n Grill upstellen un den Grill nich fäökener at fiewmaol in ’n Johr anschmieten draff. Dor lohnt sick dat jo bolle nich eis, äöwerhaupt ’n Grill tau koopen. Dei ein’ off ännere mag nu „typisch Bayern“ denken. Dat flait’t di aower an! In Bonn häbbt dei Richter urdeielt, dat man dat twei Daoge vörher inne Naoberskup anmellen mott, wenn man in ’t Mehrfamilgenhuus uppen Balkon grillen will. Sei häbbt aower nich säggt, dat du dat Grillen uck woller affmellen moss, wenn dat inne Tüschkentied leipet Weer worn is un dei Grillaobend utfallt.Klor is woll, dat du dien’n Naober bi dei Grillerei nich aalemantau vullqualmen un vullstinken draffs, dann häss den Arger forts taugange. Laot den Spiritus off so ’n Warks wäge, dann passeiert dat uck nich. Un nähm di masse Tied. Stick dei Käöhle bitieds an, dat se uck richtig gleuhnig is, wenn du dat Fleischk uppen Grill leggen dais. Schass eis seihn, wat dat schlumpt (= klappt), dat giff dann kien’n Qualm, wor sick änner Lüe äöwer uprägen käönt.Noch bäter is dat aower, wenn du den Naober forts tau ’ne Wusst un ’n Beier inlaoen dais. Dor schull mi doch dei Dübel haolen, wenn hei sick dann noch beklaogen dait.