Lesung Roger Willemsen 23.10.2010

Roger Willemsen

Die Zuschauer im Visbeker Ratsaal hingen förmlich an den Lippen Willemsens, als dieser von seinen Reisen auf fünf Erdteilen erzählte, um seine ganz persönlichen Enden der Welt zu finden. Seine Enden der Welt sind auch die großen geographischen wie der Nordpol, der Himalaya oder das Kap von Südafrika. Vor allem aber sind es die einzigartigen und individuellen Endpunkte wie ein Bordellflur im Bombay, eine Bahnstation in Birma, ein Bett in Minsk oder eine polynesische Insel. Ein anderes Ende der Welt findet Willemsen in einer Tempelanlage in Katmandu. Er trifft auf Sandhu, einen hinduistischen Asketen und auf Scheintote. Diese sind bei der Vorbereitung auf die Verbrennung nach der Waschung wieder aufgewacht und dürfen, da sie die Hälfte des Bestattungsrituals schon hinter sich haben, den Bezirk nicht verlassen. Sie hausen lebenslang in Höhlen, heiraten sogar und bilden Familien. Auf seinen Reisen erlebt Willemsen viele Todesfälle und trifft auf verwirrte Menschen. Einmal verpasst er sogar seinen eigenen Tod. Weil er zur Beerdigung der Großtante eines Freundes auf eine entlegene Pazifikinsel fährt, verpasst er die Fähre, für die er schon ein Ticket hat. Diese geht dann mit Mann und Maus unter. Für Willemsen liegt Visbek nicht am Ende der Welt, sondern zwischen Frankfurt und Willemsens Wohnung in Hamburg.

Hier einige Bilder der Veranstaltung.