Lesung mit Beatrice von Weizsäcker 15.10.2014

Lesung

'Ist da jemand?' - Beatrice von Weizsäcker über erlaubte Zweifel im persönlichen Glauben

Diese Frage treibt große Denker um; sie lässt gläubige Menschen zweifeln und befeuert die Argumente Ungläubiger.
Warum lässt ein angeblich barmherziger Gott Unglück, Leid und Not zu? Diese ist der Ausgangspunkt des Buches, aus dem die Journalistin und promovierte Journalistin Beatrice von Weizsäcker, Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten, am Mittwochabend, 15.10.2014 im Ratssaal Visbek vor etwa 150 Zuhörern liest.
Nach einem Gruß der politischen Gemeinde durch Hausherr Bürgermeister Gerd Meyer lädt Dieter-Felix Grzabka, Mitglied des Kulturkreises Visbek in seiner Einführung die interessierten Zuhörer sehr dazu ein, sich mit  ihrer persönlichen Spiritualität anhand der nun folgenden Darstellung des Glaubensverständnisses, welche ja nur eine von vielen anderen Auffassungen sei, zu beschäftigen. Denn kein Mensch verfügt über genau dasselbe Gottesverständnis wie ein anderer. So wie jeder Mensch einmalig ist, ist es auch sein Glaube oder Nichtglaube.
Der große Zweifel im Glaubensleben der Autorin wird ausgelöst durch den Tod des jüngeren Bruders nach schwerer Krankheit. Natürlich hat auch Beatrice von Weizsäcker keine eindeutige Antwort auf die Frage, warum Gott so ein Leid zulässt. Ihre Botschaft: Zweifeln ist erlaubt. Sogar in der Kirche sind Zweifler wichtig, weil sie scheinbar Gegebenes immer wieder hinterfragen und keine Bequemlichkeit aufkommen lassen.
Schon als Kind hat sie ihre Religionslehrerin mit unentwegtem Nachhaken ins Schleudern gebracht. Inzwischen ist sie überzeugt: Glauben ist gerade nicht wissen, verlangt keine Beweise.
Der Theologe Heinz Zahrnt wird zitiert, genauso der große katholische Theologe Karl Rahner oder der mittelalterliche Scholastiker Thomas von Aquin. Viele Gedanken, viele Zitate, womöglich zu viele.
Zahlreiche Themen werden angerissen und bieten durchaus in der anschließenden Diskussion Anlass zur Reibung.
'Ich glaube nicht an einen personalen Gott' - damit tun sich z.B. Einige schwer, die sich nach der Lesung an der öffentlichen Diskussion unter Moderation von Herrn Grzabka beteiligen. Oder auch damit, dass von Weizsäcker nicht an die leibhaftige Auferstehung glaubt.
Dass die Journalistin protestantischen Glaubens ist und der katholischen Kirche eher distanziert gegenüber steht, wird hier deutlich.
Am Ende des Buches hat Beatrice von Weizsäcker ihr ganz persönliches Glaubensbekenntnis aufgeschrieben: sie glaubt an einen Gott, der auch bei ihr ist, wenn sie zweifelt.