Rezitationswettbewerb im Rathaus Visbek - Ein Hoch auf Morgenstern 15.11.2014

Die Preisträger des Rezitationswettbewerbs 2014 mit den Vertretern der Veranstalter

Am Samstag, 15. November 2014, fand zum 9. Mal, diesmal im Rathaus Visbek, der Rezitationswettbewerb statt, der jährlich von der Universität Vechta, der Stadt Vechta sowie dem Kulturkreis der Gemeinde Visbek ausgerichtet wird. Aus ganz Deutschland fanden sich junge Sprecherinnen und Sprecher ein, die ihren sprecherischen Ausdruck an Christian Morgenstern - aus Anlass seines 100sten Todesjahrs - erproben wollten.
Jeder hatte ab 15:00 Uhr zehn Minuten Zeit, seine gewählten Texte der Jury vorzutragen. Wie in Visbek üblich, waren die Rahmenbedingungen optimal: sowohl die Vertreter der Jury (Dr. Ortwin Lämke aus Münster, Prof. Baldur Neuber aus Halle, Prof. Eberhard Ockel aus Vechta, Sabine Seggelke aus Düsseldorf und Christian Zündel aus Bad Nenndorf) als auch die 14 Kandidat(inn)en konnten sich an Kaffee und Kuchen und am frühen Abend an einer deftigen Suppe stärken.
Ein Rückzugsraum sorgte dafür, dass die Sprecher sich stimmlich vorbereiten konnten. Auf diese Weise war eine zügige Durchführung des Wettbewerbs gewährleistet.
Wie bereits im vergangenen Jahr hatte jeder Kandidat einen Pflichttext - diesmal aus den Galgenliedern von Morgenstern - zu sprechen:

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse
Auf dass er sich ein Opfer fasse

Und stürzt darauf mit großem Grimm
Auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitschü!",
Und hat ihn drauf bis Montag früh.

Die Sprecher(innen), von Stuttgart bis Hamburg kommend, haben eine breite Palette von Texten Morgensterns ausgewählt und vorgetragen, und so fiel die Wahl wieder sehr schwer. Letztlich entschied die Modulationsfähigkeit und Spannkraft einer Stimme, die sensible Nachgestaltung des Textes und die glaubwürdige Übernahme der Autorperspektive durch die Sprecher, sodass der Hörer uneingeschränkt vom Text gepackt wurde. Leider hat eine Kandidatin, trotz vorheriger Ankündigung durch die Jury, die vorgegebene Zeit von 10 Minuten überschritten und musste disqualifiziert werden. Diese Entscheidung war umso bedauerlicher, als die Kandidatin durchaus für einen Preis in Frage gekommen wäre.

Nach intensiven Beratungen in der Jury erhielt
Marie Wolff den ersten Preis (mit 1.000,00 € dotiert), in einem neuen Layout der Urkunde, die künftig weiterhin in dieser neuen Form vergeben wird,
Johanna Behrens den zweiten Preis (mit 500,00 € dotiert) und
Svenja Ypsen den dritten Preis (mit 300,00 € dotiert).

Das Rätsel der Preisträger löste sich erst nach dem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Programm am Abend um 19:30 Uhr, das jedem Sprecher eine gute Chance bot sich darzustellen. Dabei bewährte Olaf Strieb, Intendant der Landesbühne Niedersachsen Nord, seine launige und unterhaltsame Moderation, die er schon im Vorjahr in Vechta unter Beweis gestellt hatte.
Die Zuschauer konnten einen Publikumspreis vergeben und bewährten wie in früheren Wettbewerben ihre Unparteilichkeit.
Nach der Auszählung der Stimmen erhielt ebenfalls Johanna Behrens den Publikumspreis (mit 200,00 € dotiert).
Natürlich gaben die Preisträger noch eine besondere Kostprobe ihres Könnens und erfreuten das Publikum, bevor man sich in lockeren Gesprächsrunden noch mit Kandidat(inn)en und Jury-Mitgliedern über das Erlebte austauschen konnte.