Lesung mit Hamed Abdel-Samad 10.06.2015

Hamed Abdel-Samad

„Politisches Seminar“ mit Hamed Abdel-Samad im Kulturkreis Visbek

Der Kulturkreis Visbek hatte am Mittwochabend, 10. Juni 2015, zu einer Autorenlesung zum Thema „Der islamische Faschismus“ eingeladen. Im vollbesetzten Ratssaal der Gemeinde begrüßte der stellvertretende Bürgermeister Sascha Kotschofsky den in Visbek bereits bekannten deutsch-ägyptischen Politikwissenschaftler und Autoren Hamed Abdel-Samad. Nicht nur in der islamischen Welt, dort besonders in seiner Heimat Ägypten, sondern auch in seiner Wahlheimat Deutschland lieferte er mit seinen Büchern zum Islam und zum Islamismus sowie zum Arabischen Frühling „Zündstoff“.
In einem dreiviertel-stündigen frei gehaltenen Vortrag entwickelte Abdel-Samad die Entstehung des Faschismus und seine Begründung zunächst in Frankreich, später dann in Italien und Deutschland. Der Islamismus sei parallel zum italienischen Faschismus und zum Nationalsozialismus entstanden und zeige sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Faschismus. Sein faschistoides Gedankengut reiche allerdings weiter zurück – es sei bereits im Ur-Islam angelegt. Hamed Abdel-Samad schlug in seiner Analyse einen Bogen von den Ursprüngen des Islam bis hin zur Gegenwart. Der Autor unterlegte alle seine Vergleiche für den Zuhörer gut verständlich mit Beispielen und fundiertem faktisch-historischem Wissen.
Der Faschismus sei nicht nur eine politische Ideologie, sondern eine politische Religion. Er habe alles, was dazugehört: Absolute Wahrheiten, den charismatischen Führer, die Aufteilung der Welt in Gut und Böse. Und er verlange unbedingten Gehorsam von seinen Anhängern. Der Islam sei genauso. Beide verbinde zudem der Antisemitismus, das Streben nach Weltherrschaft und die Mystifizierung des Kampfes. Man kämpfe nicht, um zu leben, sondern lebe, um zu kämpfen. Schon im Koran werde der Hass auf Andersgläubige geschürt und solange der Dschihad als gottgewolltes Mittel dargestellt werde, um dem Islam den Sieg über die Ungläubigen zu verschaffen, werde es immer weiter Terror und Unterdrückung geben.
Er frage sich, was schieflaufe in der muslimischen Welt, warum es dort bis heute keine einzige funktionierende Demokratie gebe, sondern stattdessen alte Diktaturen, bis an die Zähne bewaffnet, neue Diktaturen, die gerade auf den Trümmern des Arabischen Frühlings errichtet würden, Blutrache, Bürgerkrieg, Stammesfehden. Und er gab selbst die Antwort: Sie seien durchdrungen von einer Religion, die bis heute die Menschen zur Unmündigkeit erziehe, keine abweichenden Haltungen dulde und offen zur Vernichtung Andersgläubiger aufrufe. "Für mich ist das Faschismus", sagte er.
Er warnte in der anschließenden Diskussion engagiert vor der naiv-übereifrigen Bereitschaft deutscher Politiker gegenüber den Forderungen der Islamverbände, sprach sich gegen deren Umwandlung in Körperschaften des öffentlichen Rechts mit all deren Folgen aus, bezeichnete die Feststellung der Bundeskanzlerin, der Islam gehöre zu Deutschland als falsch („Die Muslime, die in Deutschland leben, gehören zu Deutschland, aber nicht der Islam!“), wendete sich vehement gegen die Einführung islamischen Religionsunterrichts an deutschen Schulen wie generell gegen konfessionell getrennten Religionsunterricht und warnte auch vor dem Missbrauch des Asylrechts durch Islamisten in Deutschland. Er machte aber auch unmissverständlich klar: „Mein Kampf gilt den radikalen Islamisten, nicht den Muslimen, auch nicht den gläubigen Muslimen.“
Nach Meinung vieler Zuhörer war diese Begegnung mit Hamed Abdel-Samad ein „großer Abend“, ein hoch-politisches Seminar zum Islamismus.
Man mag seinen politisch-historischen Analysen folgen oder nicht, seine Schlussfolgerungen teilen oder nicht – eines ist sicher: Dieser Abend und vor allem sein Buch liefern jede Menge Stoff zum Nach- und Überdenken und zu engagierter Diskussion. Genau dies ist die Intention dieses Mannes und auch die des Kulturkreises Visbek.

Text von Dieter-Felix Grzabka