Jean-Claude Séférian huldigt Édith Piaf anläßlich ihres 100. Geburtstags mit seinem Konzertprogramm „Milords! Hommage à Édith Piaf“ 22.01.2016

Text von Sandra Ischen-Lange


Jean-Claude Séférian

Spritzig, frech, melancholisch, lehrreich – Das Publikum des bekannten französischen Chansonniers Jean-Claude Séférian erlebte am Freitagabend, 22. Januar 2016, ein eindrucksvolles, vielseitiges Konzert im Visbeker Rathaussaal. Begleitet von seiner Frau, der Pianistin Christiane Rieger-Séférian, und dem mehrfach ausgezeichneten Akkordeonvirtuosen Piotr Rangno huldigte Séférian Édith Piaf mit seiner Hommage „Milords!“.
Passenderweise war es der Deutsch-französische Tag (22. Januar), wie Dr. Jutta Heyen vom Kulturkreis Visbek in ihren Einführungsworten feststellte. Dabei handelt es sich um den Jahrestag des Freundschaftsvertrags der beiden Länder (Élysée-Vertrag), der, nebenbei bemerkt, im Todesjahr Édith Piafs, 1963, unterzeichnet wurde. Ihren einhundertsten Geburtstag hätte die Piaf im Dezember gefeiert – tatsächlich wurde die kleine Frau mit der großen Stimme und der noch größeren Ausstrahlung nur 47 Jahre alt. Ihre Biografie bildete den Rahmen des Konzerts. Ohne Pause führte Christiane Rieger-Séférian mit interessanten Textbeiträgen aus der Lebensgeschichte der Pariser Sängerin charmant durch das Programm, das der Musik und den Männern im Leben Piafs gewidmet war. Melancholisch-nachdenkliche Lieder der Piaf wechselten ab mit leichteren Songs wie „Johnny, tu n'es pas un ange“, von Séférian gefühlvoll vorgetragen mit warmem Timbre, mal piano zurückhaltend, mal forte, mit kraftvoll voluminöser Stimme.
Natürlich gehörten zum breiten Repertoire des Abendprogramms die bekanntesten Lieder Piafs: „Padam Padam“ von Norbert Glanzberg war ein ebensolcher Höhepunkt wie „La vie en rose“, eins der ersten selbstgeschriebenen Lieder der Chansonniere. Mit einer virtuosen Solo-Darbietung auf dem Akkordeon trat Piotr Rangno kurz aus dem Schatten der musikalischen Begleitung heraus und Pianistin Christiane Rieger-Séférian überließ ihrem Mann den Platz am Klavier für eine „Improvisation – Hommage à Édith Piaf“ von Poulenc und begleitete ihn auf der Violine.
Neben Liedern der legendären französischen Sängerin intonierte Séférian auch Chansons verschiedenster Männer, die ihr Leben prägten – und umgekehrt: Charles Aznavour zum Beispiel und Gilbert Bécaud. Selbst „Paris canaille“ von Léo Ferré bot er dar, obwohl es die Piaf  mit einem kurzen „Abscheulich!“ vernichtend abgelehnt hatte, wie Christane Rieger-Séférian verriet. Und auch, dass es, gesungen von Catherine Sauvage, zum Ärger der Piaf später sehr erfolgreich wurde.
Ernster wurde es mit einem Lied von Georges Moustaki, einer der zahlreichen Affären Édith Piafs. In „En Méditerranée“ verarbeitete der gebürtige Ägypter seine Kriegserfahrungen. Séférian, Franzose mit libanesisch-armenischen Wurzeln, trug das Lied zunächst in deutscher Übersetzung vor und bekannte, es sei das Lied seines Wergegangs, das leider für viele aus der Region sehr aktuell sei.
Den furiosen Abschluss bildete das mit Verve vorgetragene „Nathalie“ von Bécaud sowie Piafs „Milord“ und natürlich die Hymne ihres Lebens, das trotzige „Non, je ne regrette rien“.
Mit „J'ai chanté“ beendete Séférian das abwechslungsreiche Konzert mit einer Eigenkomposition und gesungen hat hier nicht nur der Chansonnier. Kurzerhand bildete Séférian aus seinem Publikum einen Chor, der ihn begeistert und inbrünstig unterstützte.