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Gerster und Nürnberger sprechen über die Veränderungen in der Medienlandschaft


Petra Gerster und Christian Nürnberger überzeugten das Visbeker Publikum durch fachliche Versiertheit und Charme. Foto: Hermes

Wenn die Unterscheidung zwischen wahr und unwahr nicht mehr gemacht wird, sind nicht nur die Medien in Gefahr, sondern auch die Demokratie: Dieses wichtige und eindringliche Fazit zogen am Mittwochabend Petra Gerster und Christian Nürnberger bei einem Vortrag im Visbeker Rathaus. Die bekannte ZDF-Journalistin und ihr Ehemann und Publizist stellten im voll besetzten Ratssaal auf Einladung des Kulturkreises ihr gemeinsam verfasstes Buch „Die Meinungsmaschine“ vor, das im November 2017 erschienen ist.

Die beiden Mainzer erklärten den aufmerksamen Zuhörern, dass diese sich in einer Zeitwende befänden – von der 500 Jahre alten analogen „Gutenberg-Galaxis“ des Buchdrucks hin zur digitalen „Zuckerberg-Galaxis“ mit einem „Zaubergerät“ namens Handy; einer flachen Scheibe, die viele andere Geräte fresse und ersetze. Solche Übergangszeiten seien immer auch Zeiten der Krise und Verunsicherung und machten Medien, die richtig informieren, besonders wichtig.

Anschaulich zeigten Gerster und Nürnberger den Unterschied zwischen dem ehemaligen Status der Medien und dem heutigen. Früher setzten Journalisten Prioritäten, in der neuen digitalen Netzgemeinde hingegen sortiere, kommentiere und bewerte jeder als sein eigener Programmdirektor. Durch subjektive Beeinflussungen würden in den sozialen Medien auch Desinformationen und Verschwörungstheorien verbreitet. Seriöse Medien könnten sich Falschmeldungen jedoch nicht erlauben, da es eine wechselseitige Kontrolle untereinander gibt.

Zu den zehn Aspekten, die jeder Medienkonsument kennen sollte, zählten die Autoren das Wissen darüber, dass Medien kein Abbild der Wirklichkeit seien, sondern eine Abbildung der Veränderung von Zuständen. Medien berichteten eher Negatives, da positive Berichterstattung nicht gut funktioniere. So sei die Welt besser, als in den Medien vielfach dargestellt.

Redakteure müssten eine Art „Schleusenwörterfunktion“ übernehmen, nämlich aus einer Flut von Nachrichten das Wichtige, Überraschende und Relevante filtern. Relevant sei dabei, was viele betreffe, und das, was viele betroffen mache. Das seien Regeln, nach denen in Redaktionen ein „common sense“ angestrebt werde. Das habe mit der oft kritisierten „Gleichschaltung“ der Presse nichts zu tun.

Medien könnten dabei nie hundertprozentig objektiv sein; es bleibe ein Spielraum und ein Rest Subjektivität der Medienmacher. Objektivität werde am besten gesteigert durch die Steigerung der Diversität und einen größeren Facettenreichtum. Ein guter Journalist solle sich nicht mit einer Sache gemein machen, eine professionelle Distanz bewahren, dürfte aber durchaus Haltung zeigen, machten die beiden deutlich.

Der mit Professionalität und Charme vorgetragene Rat des Duos Gerster und Nürnberger an die Zuhörer in Visbek war: Medienkompetenz zu entwickeln, mehrere Medien miteinander zu vergleichen, z. B. Fernsehnachrichten mit Zeitungen und Magazinen. Mündige Bürger sollten sich umfassend informieren, um möglichst alle Aspekte eines komplexen Geschehens zu erfassen und verlässlich von unzuverlässigen Quellen zu unterscheiden.


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