Annelies Muhle geht – und bleibt doch
- Gemeinde Visbek
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Die große Bühne überlässt sie normalerweise anderen Leuten. Doch heute, am 30. April 2026, kommt Annelies Muhle nicht umhin, selbst im Rampenlicht zu stehen. Denn an diesem Tag geht Visbeks Kulturbeauftragte in Rente, wenn auch mit einem kleinen „aber“: Sie bleibt weiterhin mit einigen Stunden als Kulturbeauftragte der Gemeinde im Dienst – weil sie so viel Freude an ihrem Job hat. „Ich hab Arbeit nie als Arbeit angesehen“, kommentiert die 64-Jährige ihre Entscheidung, weiterzumachen.
In einer Feierstunde würdigte Bürgermeister Gerd Meyer Muhles Einsatz für die Gemeinde. „Es gibt Menschen, die ihre Arbeit machen – und es gibt Menschen, die eine Aufgabe mit Leben füllen – von Leidenschaft und unermüdlichem Engagement getragen“, sagte er. Auch Personalratsvorsitzender Christian Erdmann und Hauptamtsleiter Jörg Reinke fanden lobende Worte für ihre Kollegin.
Annelies Muhle begann ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Visbek am 01. August 1979. Nach dem erfolgreichen Abschluss wechselte sie zum Landkreis Vechta, wo sie bis 1984 im Hauptamt arbeitete, ehe es zur Gemeinde zurückging – als Nachfolgerin von Cäcilia Muhle. Die Einstellung sei „allein aus Kostengründen“ erfolgt, weil man sich dadurch ein neues Namensschild sparen konnte, habe ihr damaliger Chef, Gemeindedirektor Anton Fangmann, gerne gescherzt.
All die Jahre über war Annelies Muhle für das Melde- und Passwesen zuständig, irgendwann kam der Bereich Wahlen hinzu, bevor die Rechterfelderin schließlich 2003 zur ersten Kulturbeauftragten der Gemeinde Visbek ernannt wurde. Darüber hinaus ist sie seit 1993 Gleichstellungsbeauftragte.
„Ich habe das alles immer gerne gemacht“, sagt sie, mit allen Veränderungen und Entwicklungen, die dazugehören. Und das sind einige. Früher mussten beispielsweise alle Pässe per Hand geschrieben werden, ebenso die Wahlscheine. Einmal im Jahr wurden Lohnsteuerkarten an die Bürger ausgegeben. An diesem Tag, dem 20. September, galt eine Urlaubssperre.
Als sie Mitte der 1980er Jahre ihre Tätigkeit im Rathaus aufnahm, bestand das Team aus zehn Leuten, heute sind es dreimal so viele. „Am Anfang waren wir im Meldeamt zu zweit, Marianne Hitz und ich. Einer von uns musste immer da sein.“
Diese Zeit beschreibt Annelies Muhle als „etwas familiärer“. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren habe es größere personelle Veränderungen gegeben; die meisten der Kollegen, mit denen sie seit den 1980ern oder 90ern zusammenarbeitete, sind mittlerweile im Ruhestand. Viele junge Kollegen sind nachgerückt und auch die sorgen dafür, dass Annelies Muhle sich bei der Gemeinde weiterhin wohlfühlt und sagt: „Ich mag das einfach gerne tun!“
Mit „das“ meint sie insbesondere die Arbeit als Kulturbeauftragte. Als Anfang der 2000er unter Bürgermeister Heiner Thölke die Idee aufkam, die Kulturarbeit in der Gemeinde zu fördern, habe sie zunächst gesagt: „Ich habe von Kultur keine Ahnung.“ Trotzdem nahm sie den Job an, auch weil ihr eine Freundin den wertvollen Rat gab: „Du musst ja nicht alles mögen, aber es wird dich auch nicht dümmer machen.“ Heute sagt sie, dass dieser Tipp Gold wert war. „Ich durfte in all den Jahren so viele Menschen kennenlernen und neue Sichtweisen auf die Welt erfahren.“
Und so kann sie auf mittlerweile 23 erfolgreiche Jahre Kulturarbeit blicken. „Mein Wunsch war immer, dass ich ruhiger werde, aber das werde ich nicht“, sagt sie. Vielleicht ist das auch ein Grund für ihren Erfolg, denn die Kulturarbeit in Visbek ist weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.
Annelies Muhle kann zahlreiche berühmte Persönlichkeiten aufzählen, die sie nach Visbek geholt hat. Allein ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt eindrucksvolle Namen: Von Bundespräsident a.D. Joachim Gauck (2023) über Fernsehmoderator Reinhold Beckmann (2024) und Journalist Giovanni di Lorenzo (2025) bis zu Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt (2026).
Besonders beeindruckend in dieser Riege war für sie Reinhold Beckmann, auch wenn ihr „Lieblingskünstler“ ein anderer bleibt: Roger Willemsen (2006 und 2010), weil „er eine Persönlichkeit war, die ich vorher nicht so wahrgenommen hatte“, sagt sie.
Auch wenn Muhle als Kulturbeauftragte federführend für die Kulturarbeit in Visbek ist, so wäre die Arbeit ohne den Kulturkreis, die „Ideenschmiede“ für die zahlreichen Veranstaltungen, nicht machbar. Seit Beginn gibt es einen Stamm von Leuten, die die Arbeit unterstützen und Ideen und Impulse für Veranstaltungen geben.
Darüber hinaus hebt sie die Arbeit der Ehrenamtlichen während der Veranstaltungen hervor. „Sie sind immer da, immer zuverlässig, sie machen alles und sind sich für nichts zu schade“, lobt sie.
Die Arbeit als Kulturbeauftragte hat nicht nur ihr Arbeitsleben entscheidend verändert: 2010 lernte sie über den Kulturkreis ihren Lebensgefährten Hans-Bernd Hermes kennen. Auch dank seiner Unterstützung macht sie weiter, denn er gestaltet nicht nur die Werbemittel für die Veranstaltungen, sondern begleitet sie auch auf allen Fahrten und ist als Fotograf im Einsatz.
Wann sie endgültig in Rente gehen wird, weiß sie noch nicht. Sie will weitermachen „so lange ich gesund bleibe und so Gott will“. Ein Leben in „Vollzeitrente“ ist für sie auch eigentlich nicht denkbar, denn das würde große Veränderungen mit sich bringen und „ich hasse Veränderungen“, sagt sie scherzhaft und fügt mit etwas ernsterer Miene hinzu: „Nach all den Jahren habe ich nie den Wunsch nach Veränderung gehabt. Meine Familie, mein Glaube und meine Arbeit ist das, was mich mein Leben lang geprägt hat.“









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