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Eine Woche för Platt: Visbek hält seine Regionalsprache lebendig

Autorenbild: Gemeinde Visbek
Gemeinde Visbek
vor 8 Stunden
3 Min. Lesezeit

von Marius Muhle

Plattdeutsch hören, sprechen und erleben: Vom 25. September bis zum 3. Oktober stand die Regionalsprache in Visbek besonders im Mittelpunkt. Anlässlich des Europäischen Tages der Sprachen am 26. September hatte die Visbeker Warkstäe för Plattdütsch zur „Plattdeutschen Woche“ eingeladen. Mit Aktionen in den Grundschulen, einem Kasperletheater für Kindergartenkinder und einer plattdeutschen Erntedankmesse zeigte sich dabei, wie vielfältig Plattdeutsch auch heute noch seinen Platz im Visbeker Alltag finden kann.


Der Europäische Tag der Sprachen wurde 2001, im Europäischen Jahr der Sprachen, ins Leben gerufen. Sein Jubiläum nahm die Visbeker Warkstäe zum Anlass, dem Plattdeutschen vor Ort besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei ging es nicht nur um die eigens organisierten Veranstaltungen. Auch Visbeker Vereine und Unternehmen waren aufgerufen, während der Aktionswoche ganz bewusst ein wenig mehr Platt zu schnacken, beispielsweise in der Frühstückspause, bei der Chorprobe oder während einer Gruppenstunde mit Kindern.


Hinter der Visbeker Warkstäe för Plattdütsch steht eine Gruppe von zehn Personen um den Plattdeutschbeauftragten der Gemeinde Visbek, Marius Muhle. Gemeinsam engagieren sie sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache.


In Visbek wird noch vergleichsweise viel Plattdeutsch gesprochen. Genau daran möchte die Warkstäe anknüpfen. Ihr Anliegen ist es vor allem, die Sprache im öffentlichen Raum präsent zu halten. Menschen, die noch Platt schnacken, sollen darin bestärkt werden, die Sprache tatsächlich zu nutzen, sich mit anderen zusammenzufinden und sie weiterzugeben.


Gleichzeitig richtet sich die Arbeit ausdrücklich nicht nur an geübte Plattsprecher. Auch wer selbst kein Plattdeutsch mehr spricht, die Sprache vielleicht nur versteht oder sich schlicht für die Regionalsprache interessiert, ist bei den Veranstaltungen der Warkstäe willkommen.


Wie niedrigschwellig diese Begegnung mit der Sprache aussehen kann, zeigten die Aktionstage an zwei Visbeker Grundschulen. Bereits am 25. September veranstaltete die Gerbertschule Visbek gemeinsam mit der Warkstäe ihren traditionellen Plattdeutschtag. Die Kinder hörten plattdeutsche Geschichten, sangen Lieder und bastelten nach Anleitungen auf Platt. Bei einer Führung rund um die St.-Vitus-Kirche erfuhren sie zudem auf Plattdeutsch etwas über die Entstehungsgeschichte Visbeks und die historische Rolle von Abt Gerbert Castus.

 

Am 29. September folgte der Aktionstag an der Grundschule Rechterfeld, wo der Plattdeutschtag seit dem vergangenen Jahr ebenfalls gefeiert wird. Neben Geschichten und Bastelaktionen beschäftigten sich die Kinder mit der Entwicklung ihres Heimatortes, von der ersten Kapelle über den Bahnhof bis zur neuen Kirche. Auch die Entwicklung der Schule von der kleinen Schulstube beim Vikar bis zum heutigen Schulgebäude gehörte zum Programm.

Dahinter steht auch eine Entwicklung, die der Sprachpflege neue Bedeutung gibt: Immer weniger Kinder im Grundschulalter wachsen zu Hause mit Plattdeutsch auf. Die Aktionstage sollen ihnen deshalb früh einen Zugang zur Regionalsprache ermöglichen und diesen zugleich mit der Geschichte und den Traditionen ihres Wohnortes verbinden.


Dass Sprachvermittlung auch spielerisch funktioniert, zeigte sich am 1. Oktober im Kindergarten St. Elisabeth. Die Warkstäe hatte die Kindergartenkinder der Gemeinde zu einem plattdeutschen Kasperletheater eingeladen. Andrea Kühling war hauptverantwortlich für die Organisation, Erwin Stubbe übersetzte das Stück ins Plattdeutsche, Elke Wilkens und Elisabeth Bramlage übernahmen das Spiel.


In der Geschichte schickte die Großmutter den Kasper in den Wald, um Kastanien zum herbstlichen Basteln und Dekorieren zu sammeln. Der kam allerdings mit so vielen Kastanien zurück, dass die Großmutter nicht mehr wusste, wohin damit. Anschließend wurden die „überzähligen“ Kastanien gleich weiterverwendet: Die Kinder bastelten daraus unter anderem Spinnen, Spinnennetze und Fangbecher. 25 Kinder nahmen an dem Nachmittag teil.


Ihren Abschluss fand die Plattdeutsche Woche am 3. Oktober in der St.-Vitus-Kirche. Dort wurde eine langjährige Visbeker Tradition fortgesetzt: die Erntedankmesse auf Plattdeutsch. Die Vorabendmesse begann um 17.30 Uhr und war von der Warkstäe organisiert worden.


Als Zelebrant war Pfarrer Ferdinand Hempelmann zum zweiten Mal nach Visbek gekommen. Der heute in Dülmen tätige Geistliche ist in der Gemeinde Visbek aufgewachsen und mit dem örtlichen Plattdeutsch vertraut. Marius Muhle übernahm den Lektorendienst, Erwin Stubbe, Andrea Kühling und Maria Schmunkamp begleiteten die Gemeinde gesanglich. Predigt und Messtexte rückten die Dankbarkeit für die Ernte sowie Gottes Nachsicht und Gnade in den Mittelpunkt.


Damit spannte die Aktionswoche einen Bogen von den jüngsten Visbekern bis zum traditionellen Gottesdienst. Plattdeutsch sollte dabei nicht nur als Sprache früherer Generationen erscheinen, sondern dort zu hören sein, wo Menschen heute zusammenkommen: in Schule und Kindergarten, im Verein und im Betrieb, beim gemeinsamen Singen, beim Basteln oder in der Kirche.


Die Visbeker Warkstäe för Plattdütsch bedankt sich ganz herzlich bei allen, die die Aktionen unterstützt und zu ihrem Gelingen beigetragen haben.


Hildegard Hammersen (hinten von rechts) und Agnes Hülsmann singen beim Plattdeutschtag in einer vierten Klasse der Gerbertschule plattdeutsche Volkslieder und neu getextete Popsongs. Das Mitmachprogramm steht unter dem Motto „Wie singt un danzt up Platt“. Foto: Gerbertschule Visbek
Hildegard Hammersen (hinten von rechts) und Agnes Hülsmann singen beim Plattdeutschtag in einer vierten Klasse der Gerbertschule plattdeutsche Volkslieder und neu getextete Popsongs. Das Mitmachprogramm steht unter dem Motto „Wie singt un danzt up Platt“. Foto: Gerbertschule Visbek

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