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Hamed Abdel-Samad ruft zur Freude am Diskurs auf

  • Autorenbild: Gemeinde Visbek
    Gemeinde Visbek
  • 15. Sept.
  • 2 Min. Lesezeit

Es war mitunter keine leichte Kost, mit der der Politikwissenschaftler und Publizist Hamed Abdel-Samad am Mittwochabend (10. September 2025) sein Publikum auf Einladung des Kulturkreises Visbek in der Visbeker Benedikt-Schule unterhielt. Aber er hatte wichtige Botschaften im Gepäck, für die es sich lohnte, den Weg zu seiner Lesung auf sich genommen zu haben.


Abdel-Samad hatte bereits zuvor angekündigt, dass er nicht aus seinem neuen Buch „Der Preis der Freiheit. Eine Warnung an den Westen“ vorlesen, sondern vielmehr einen freien Vortrag halten würde. Der bekannte Islam-Kritiker griff während seines knapp einstündigen Vortrags, dem das Publikum gespannt und konzentriert folgte, verschiedene Themen auf.


So widmete er sich der Bedeutung der Begriffe „Debatte“ und „Diskurs“. In einer Gesellschaft sei es ein Zeichen von Respekt, dem Gegenüber die Wahrheit zu sagen, auch wenn dies schmerzhaft sei. Demokratie basiere auf Vertrauen und die Diskussionskultur auf Widerspruch. Aber offene, faktenbasierte Debatten seien in Deutschland längst keine Selbstverständlichkeit mehr. „Gefühle sind die neuen Fakten, Meinungen die neue Wahrheit.“


Während seiner Ausführungen warf er einen Blick in die Vergangenheit, in die Zeit der Weimarer Republik, und spannte den Bogen in die Gegenwart: Damals habe es die Gesellschaft nicht geschafft, einen Vermittlungsraum für unterschiedliche Meinungen zu schaffen. „Wir schlafwandeln in dieselbe Richtung“, sagte er, „obwohl wir alle wissen, wie das ausgegangen ist.“


Die Menschen in Deutschland seien nicht in der Lage, Diskurse auszuhalten. Begriffe wie „Nazi“, „Rassist“ oder „Antisemit“ würden leichtsinnig verwendet und Menschen oder Volksgruppen pauschalisiert. Aber: „Den Juden oder den Muslim gibt es nicht.“


Abdel-Samad ging auch auf den Gaza-Krieg ein und verurteilte sowohl die Gräueltaten der Hamas als auch das Vorgehen Israels, wobei er sich klar dem Vorwurf verwehrte, er sei ein Antisemit. Er bezeichnete das deutsche Verhältnis zu Israel als geprägt von Schuldbewusstsein. Die „Kriegsverbrechen“ in Gaza begehe Israel z. T. mit deutscher Hilfe; wörtlich sagte er: „Das geschieht mit unseren Waffen im Namen der Schuld. Ist das die Lehre aus dem Holocaust?“


Seine Sicht auf den Gazakrieg nahm in der anschließenden Diskussion einen größeren Raum ein. Abdel-Samads Botschaft dazu: Die große Mitte dürfe nicht schweigen und gleichgültig sein, sondern müsse sich beteiligen. Die „Freiheit des Diskurses“ mit „Freude am Streit“ sollten dazu dienen zu „verhandeln, in welcher Gesellschaft wir leben wollen“.


Ein Befürworter klarer Worte: Hamed Abdel-Samad. Foto: Hermes
Ein Befürworter klarer Worte: Hamed Abdel-Samad. Foto: Hermes


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